Der Frühstückshund

Ein wunderbarer Spätsommer morgen, es ist zwar nicht sonnig, doch der bedeckte Himmel hat auch seine Reize. Kühle, frische Luft sorgt für einen klaren Kopf und freundliche Gedanken mit denen ich den Samstagmorgen starte.

Heute zaubere ich mir ein schönes Frühstück. Ein Kurkumaweckerl mit Butter und einer halben Scheibe Schinken drauf, weil ich ja gerne schon vegetarisch essen würde, doch ab und zu mir dennoch den Luxus gönne ein bisschen Fleisch zu essen. Ich bedanke mich bei dem Tier, dass für meinen Genuss sein Leben gegeben hat und habe dadurch kein schlechtes Gewissen. 

Eines Tages werde ich auch dieses Stückchen nicht mehr verzehren und dennoch nichts auf meinem Speiseplan vermissen. Noch ist es leider nicht so weit.

Damit meine zwei Schinkenweckerlhälften noch appetitlicher werden, setze ich noch eine frische Gurkenscheibe aus dem Garten drauf, eine Ei-Hälfte ebenso, die andere bekommt natürlich der Hund, dessen Augen mir bei jeder meiner Handbewegungen gierig schielend folgen.

Das I-Tüpfelchen fehlt noch, geschwind hinaus auf die Terrasse laufen, dort gibt es frisches Basilikum, das wird mein Brötchen abrunden. Draußen angekommen erwartet mich mein leise raunzendes Kätzchen Wicki. Und da sie noch ein Babykätzchen ist, weiß ich nie genau ob es ihr gesundheitlich nicht gut geht, oder ob sie einfach so herumraunzt. Sicherheitshalber hebe ich sie in meine Arme. Kratz, am Hals ist schon die erste Spur der kleinen Krallchen. Ich ignoriere sie und küsse den kleinen Kratzbalg um ihm zu zeigen, dass er sehr geliebt wird. Nun, das Raunzen verstummt sofort und wir genießen das Kuscheln ein paar Momente lang. Doch was sehen meine Augen durch die gläserne Terrassentür. Malina kommt aus der Küche und schleckt sich genüsslich ihr Maul ohne Spur von irgendwelchen anderen Emotionen als Genuss. Mir schwant Schlimmes. Geschwind die Katze zur Seite geschubst und nachschauen gehen, wie es um mein Frühstück bestellt ist. Oh mein Gott, die Brothälften liegen neben dem Teller am Tisch es fehlt Schinken, Ei und die Butter, die nackten verschleckten Brotscheiben und die Gurkenrädchen hat mir mein Lieblingshund übriggelassen. Donnerwetter, das darf doch nicht wahr sein. Haben sich die kleinen Biester denn abgesprochen? Malina hat Wicki versprochen, wenn sie mich mit Jammern ablenkt sodass diese Zeit hat die besten Stücke meines Frühstückes zu klauen, bekommt Wicki einen Teil von Malis Fressen, Wicki mag ohnehin das Hundedosenfleisch fast lieber als ihre Katzensäckchen.

Als Mensch werde ich wohl nie hinter diese tierische Geheimnisse schauen können.

Doch noch ist es nicht genug des tierischen Unfugs am morgen. 

Während ich eine viertel Stunde den Hund schimpfe und zwischendurch erkläre, dass sie gar nichts davon hat, wenn sie ihr Frauchen verhungern lässt, weil sie ja dann niemanden mehr hätte, der ihr die Dosen öffnen würde, blickt mich Malina verständnislos und gelangweilt von unten herauf an und wartet ab bis ich mich endlich wieder beruhige.

Ich beschließe zur Bestrafung, den Hund zu ignorieren und jetzt gemeinsam mit der Katze auf der Terrasse mein neues Frühstück zu genießen.

Ich richte also zum zweiten Mal mein Frühstück her, Gott sei dank habe ich noch ein weiteres Brötchen zu Hause. Frisch gepflückte Kirschtomaten aus dem Garten finden auch noch Platz auf meinem bunten Teller.

Es stellt sich wieder diese Freude auf mein Frühstück ein. Während ich meinen Kaffee schlürfe, die gierigen Blicke des zweiten kleineren Pelztiers genau beobachte, um wenn nötig mein Frühstück zu verteidigen, habe ich das Bedürfnis meine Mutter anzurufen um ihr den neuesten Streich meines Hundeschlumpfes zu erzählen.

Meine Mutter lacht, naja was soll sie sonst tun, und ich lache auch und mit einem Auge schiele ich hin zur Terrassentür. Was ist denn das? Hat es geschneit da drinnen?

Malina sitzt inmitten von Schneeflocken. Genauer gesagt sind es Wattebällchen. Sie hat innerhalb von nur 5 Minuten ihren Polster zerlegt und im ganzen Vorraum stückchenweise verteilt. Seelenruhig blickt  sie mich an. Was soll ich denn sonst tun?

Was sagt man seinem Hund, der so ganz und gar unverständig ist? Was mache ich jetzt?

Tief durchatmen, den Hund in den Garten lassen und hoffen, dass er den Nachbarn nicht zusammenfrisst und dann, als wäre nichts gewesen, endlich mein Frühstück fertig essen.

14.9.2019 9:46

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